Die Geschichte der Initiative "EINE Schule für ALLE"

 

Wie kam es zur Gründung der "Unabhängigen, rheinland-pfälzischen Initiative EINE Schule für ALLE – länger gemeinsam lernen e. V."?

2006 gewann die rheinland-pfälzische SPD eine Landtagswahl mit absoluter Mehrheit, und viele Menschen im Bildungsbereich setzten große Hoffnung auf grundlegende Reformen des Bildungssystems hin zu mehr Chancengerechtigkeit und weniger Selektion in einer Schule für Alle. Schließlich war die SPD nach diesem Wahlergebnis in der Lage, ihr eigenes selbstgestecktes Ziel zu verwirklichen, wonach alle Kinder und Jugendlichen die Schule bis zum Ende der zehnten Klasse gemeinsam besuchen sollen. Doch wie schon oft in der Geschichte fehlte es der Partei an politischem Mut:

  • Aus der möglichen grundlegenden Bildungsreform wurde 2009/10 mit der Einführung der Realschule plus in integrativer und kooperativer Form im Prinzip das selektive gegliederte System beibehalten.
  • Insbesondere die kooperative Form der Realschule plus, in der nach der sechsten Klasse wieder Haupt- und Realschulklassen eingerichtet werden, unterstreicht den selektiven Charakter dieser sogenannten Reform.
  • Bei den Gymnasien und Förderschulen blieb alles beim Alten, lediglich die Einrichtung Integrierter Gesamtschulen wurde etwas erleichtert, da sie nun auch ersetzende Schulen sein können.
  • Schularten blieben wie zuvor ungleichwertig, viel zu früh nach der vierjährigen Grundschule bestimmte also weiterhin Selektion das Schulsystem in Rheinland-Pfalz.

Dieses ängstliche Festhalten der allein regierenden SPD an einem durch die Realschule plus leicht modifizierten Schulsystems enttäuschte viele engagierte und erfahrene Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Bildungsbereich. Sie beschlossen, gemeinsam initiativ zu werden und auf politischer und fachlicher Ebene zusammen mit Bündnispartnern der Entwicklung argumentativ und fordernd entgegenzutreten.

Im Herbst 2009 stellten wir auf unserer ersten Fachtagung unser bildungspolitisches und pädagogisches Programm der Öffentlichkeit vor. An dieser Motivation, aktiv in der Initiative mitzuwirken, hat sich bis heute nichts geändert. Rheinland-Pfalz hat trotz aller Bekenntnisse (Schulgesetz 2014), das bestehende Schulsystem gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention in ein inklusives Bildungssystem weiterzuentwickeln, am selektiven System festgehalten und scheint nicht bereit, dies ändern zu wollen.

Es bleibt also auch zukünftig viel Arbeit für unsere Initiative, wenn mehr Bildungsgerechtigkeit und die Umsetzung der Rechtsverbindlichkeiten aus der UN-Behindertenrechtskonvention Wirklichkeit werden sollen.