Bericht Inklusion ist Menschenrecht 7. November 2025

Fachtagung der unabhängigen rheinland-pfälzischen Initiative EINE Schule für ALLE

Inklusion ist Menschenrecht!

Kein Zurück! Kein Vielleicht! Jetzt erst recht!

In ihrer Begrüßung bei der Fachtagung Anfang November vergangenen Jahres in Mainz forderte die Vorsitzende der Initiative „EINE Schule für ALLE“, Saskia Eckhardt, endlich die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen und damit die inklusive Schule. Es sei eine gemeinsame Aufgabe der Gesellschaft. „Diese Tagung soll uns alle ermutigen, mit der Politik gemeinsame Schritte nach vorne zu gehen, um dieses Ziel zu erreichen. Der Impulsvortrag, die offenen Arbeitskreise und die gemeinsamen Gespräche wollen und sollen uns Mut machen, Ideen austauschen und uns stärken, dieses Menschenrecht Inklusion endlich umzusetzen. Von dieser Tagung können auch für die Politik Lösungen ausgehen. Wir wollen etwas bewegen.“

„Willkommen Zukunft“, so zitierte der Schulleiter Christian Goldschmitt die Namensgeberin seiner IGS Anna Seghers Mainz, die sich auf dem Weg zur inklusiven Schule befinde. Anna Seghers sei eine kraftvolle und pragmatische Frau gewesen, die sehr viel erlebt habe, auch als Jüdin, die aber nie den Glauben verloren habe an das Machbare und mit Hoffnung und Mut immer in die Zukunft geblickt habe. „Auch wir sind bereit für eine Zukunft, zu der auch die Inklusion gehört“. Eine solche Tagung sei auf dem Weg dahin ein wichtiger Schritt.

Begrüßung von Frieder Bechberger-Derscheidt

Frieder führte wörtlich aus:

Wir müssen uns bewusst sein, in welchem gesellschaftlichen Klima wir heute eine Fachtagung zum Thema Inklusion gemeinsam veranstalten wollen. Es ist das schlechte Klima der Abgrenzung, der Ausgrenzung und des „Ausguckens“ von Schuldigen für alle Probleme, die auf der Gesellschaft lasten. Ein Klima, in dem der Bundeskanzler es sich erlauben kann, vermeintlich schlechte „Stadtbilder“ bestimmten Menschengruppen anzulasten, sie somit rassistisch zu beleidigen, ohne seinen Hut nehmen zu müssen. Es geht ihm und anderen aber gar nicht um das „Stadtbild“, ob da ein Dönerladen und dort ein Nagelstudio zu viel stehen, es geht um das Menschenbild dahinter. Auf diesem Bild fehlt alle Humanität, alle Mitmenschlichkeit, es ist ein Bild gewollter Ungleichheit, verbunden mit der selbst gegeben Erlaubnis, Menschen ausgrenzen zu dürfen, sie zu verdrängen, die Gesellschaft in Gruppen zu spalten, sie schließlich abzuschieben. Dieses Menschenbild steht fern von jedem inklusiven Vorhaben, von jedem Versuch, zusammenzuführen, zu versöhnen.
Da Bildung, egal wo und auf welcher Stufe, sich von gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen nicht abkoppeln kann, soll unsere Tagung heute ein Beitrag sein, die Kräfte in unserer Gesellschaft zu stärken, die sich dieser verstörenden Rechtsentwicklung entgegenstellen, auch mit unseren schwachen Kräften Überzeugungsarbeit zu leisten, laut zu sein im Interesse all der Menschen, die in Gefahr sind, noch mehr als früher ausgegrenzt und benachteiligt zu werden. Zu diesen Gefährdeten gehören leider und ohne Zweifel alle unsere gehandicapten Mitmenschen.
„Demokratie braucht Inklusion“, hat Jürgen Dusel vor zwei Jahren an dieser Stelle betont. Es ist eigentlich ein alternativloser Satz, der offenkundig aber nicht mehr in der Mitte der Gesellschaft verankert ist, sondern an den Rand der politischen Agenda verdrängt wurde. Inklusion ist eine Last, Inklusion ist schwierig, Inklusion ist etwas für links-grüne Idealisten und Überzeugungstäter, Inklusion ist teuer, sie ist ein gesellschaftlicher Luxus, den wir uns nicht mehr leisten können, und schließlich: Inklusion überfordert uns – das ist das aktuelle Mantra der Zurückweisung des Auftrags der UN, allen Menschen den Zugang nicht nur zur Bildung, sondern zu allen Bereichen der Gesellschaft gleichberechtigt zu gewährleisten.
Zum 10. Jahrestag der Ratifizierung der UN-BRK gab es im Bundesarbeitsministerium einen Festakt. Der damalige Bundesarbeitsminister Hubertus Heil würdigte die UN-BRK als „Meilenstein“ für die deutsche Gesellschaft, auch wenn für ihre Umsetzung noch viel zu tun sei. Die SZ überschrieb am selben Tag ihren Kommentar zu dieser ersten Dekade der Konvention: „Behinderung: Land mit Lernproblem“. Wie zutreffend, auch heute, weitere sechs Jahre später. Ich würde jetzt sogar sagen: „Land mit Lernblockade“ oder gar
„Land, das sich weigert zu lernen“, vom Handeln und Umsetzen will ich gar nicht reden.
Wir sind weiter denn je von einem inklusiven Bildungssystem entfernt, das im Schulgesetz eigentlich gefordert wird, wobei dieses so wohlklingende Gesetz sein Ziel von Beginn an als unerreichbar festgeschrieben hat, weil das gegliederte Schulsystem, das per se exklusiv organisiert ist, weiterbesteht und insbesondere das Förderschulsystem als Parallelsystem unangetastet bleibt.
So kann Inklusion bestenfalls auf Wunsch höchst vorsichtig Fuß fassen oder auf demselben Weg verhindert werden.
Dieses Land hat viele Denkanstöße erhalten, es besser zu machen, spätestens die sogenannte
 „Wrasestudie“ hätte ein Umdenken anstoßen müssen. Aber das genaue Gegenteil ist erfolgt: Es wurde eine Schulordnungsnovelle geboren, nicht für das gesamte System, sondern schön sortiert für die Förderschulen einerseits und die Schwerpunktschulen andererseits – um, wie es hieß, gleiche Bedingungen für den Inklusionsbereich zu schaffen. Inklusion sollte eigentlich, laut Schulgesetz, ein Auftrag für alle sein, aber sie ist zum Spezialauftrag für die viel zu wenigen Schwerpunktschulen geworden, deren Leben, von ihrem Sonderstatus abgesehen, schon allein durch unzureichende Personalausstattung gebeutelt genug ist. Diese neue Schulordnung mag in Details Verbesserungen für den Alltag bringen, im Grundsatz aber bleibt alles wie bisher.
Ist in diesem lernunwilligen Land generell die Umsetzung der UN-BRK noch in weiter Ferne, so scheint Rheinland-Pfalz den Anschluss an diese ja doch sehr langsame und immer wieder gestörte Inklusionskarawane fast verloren zu haben. Das darf aber nicht passieren.
Nicht nur, um Inklusion nicht aus den Augen zu verlieren, braucht es uns, die wir uns deshalb hier treffen, und die vielen Menschen in den Schulen, Kitas und anderen Bildungsorten, die tagtäglich Inklusion mit Kindern und Jugendlichen leben und realisieren. Auch wenn wir vermeintlich wenige sind und die öffentliche Debatte von Spaltung und Abgrenzung dominiert wird, diese Gesellschaft kann im Sinne unseres Grundgesetzes nur dann resilient gegenüber antidemokratischen Kräften bleiben, wenn sie inklusiv wird. Die demokratischen Kräfte unseres Gemeinwesens müssen bei aller Prioritätenverschiebung, die wir derzeit erleben, um ihrer selbst willen endlich mehr Inklusion wagen, nicht verdruckst und ängstlich, sondern offensiv das Ziel Inklusion benennen und als oberste Priorität auf die bildungs- und gesellschaftspolitische Agenda setzen. Darauf warten wir seit Gründung unserer Initiative, die ja dasselbe Gründungsdatum hat wie die UN-BRK. Und ebenso wie diese stehen wir in einer Tradition bildungsreformerischer Forderungen, die viel älter als die Konvention sind.
Deshalb sei zum Schluss an einen unserer wichtigsten Vordenker erinnert, Rheinhesse und Mitbegründer der GEW RLP, Pädagogikprofessor, an Jakob Muth, als Mutmacher – das Wortspiel sei erlaubt – und Vorkämpfer, dessen Forderungen den heutigen Bildungspolitikern die Schamröte ins Gesicht treiben müssten, weil sie es seit 16 Jahren nicht geschafft haben oder nicht schaffen wollten, mit allen Beteiligten zusammen das Bildungssystem inklusiv zu gestalten. Jakob Muth wollte in seinen Texten für den Deutschen Bildungsrat schon Anfang der 70er Jahre den Gemeinsamen Unterricht aller Kinder und Jugendlicher. In seinem Text „Schule als Leben“ von 1992 (mit Bezug auf seinen entsprechenden Text für den Deutschen Bildungsrat Anfang der 70erJahre) formuliert er „10 Thesen zur Integration von behinderten Kindern“, die wir als Erinnerung an unseren langen Kampf und zugleich als Auftrag weiterzukämpfen, nicht vergessen sollten – Ich habe den von ihm damals genutzten Begriff „Integration“ durch „Inklusion“ ersetzt – Auszüge:

These 3:

„Inklusion ist unteilbar. Sie lässt keine Ausnahmen zu…“ Aus der Unteilbarkeit der Inklusion (ergibt sich) zugleich das Verständnis allgemeiner Bildung. Sie ist die allen gemeinsame Bildung, die sich den jungen Menschen durch den Besuch der Bildungseinrichtungen in unterschiedlicher Weite und Tiefe erschließt…“

These 4:

„Inklusion als Gemeinsamkeit aller ist die Norm, die, weil sie Norm ist, nicht begründet werden muss…“

These 5:

„Inklusion sperrt sich gegen eine Defizitorientierung der Schule…“

These 7:

„Inklusion verträgt sich nicht mit dem Sonderschulaufnahmeverfahren…“

Und ein letztes Zitat aus dem erwähnten SZ-Artikel von 2019:

„Eine Gesellschaft bleibt nur menschlich, wenn sie das Unvollständige und vermeintlich Defizitäre nicht ausschließt.“Unsere Tagung beweist mit allen, die heute gekommen sind: Wir lassen uns nicht entmutigen. Sondern ermutigen wir uns gegenseitig. Inklusion ist demokratische Pflicht, der sich die Politik nicht entziehen kann und darf. Nutzen wir diesen Tag, um uns auszutauschen und uns hoffentlich Kraft zu holen. Inklusion ist Menschenrecht und kein Geschenk. Inklusion ist Verpflichtung!

Frieder Bechberger-Derscheidt, einer der Gründerväter der Initiative, sprach bei der Eröffnung. Rechts neben ihm Daniel Köbler, bildungspolitischer Sprecher von Bündnis 90 / Die Grünen.

Ein inspirierender Impuls, der Lust macht, gemeinsam weiterzudenken und zu gestalten    

In ihrem Vortrag „Weichen stellen für Inklusion – Erfahrungen, Erkenntnisse, Ermutigungen“ wies Frau Prof. Dr. Annette Scheunpflug von der Universität Bamberg anfangs daraufhin, dass  Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in einem Gutachten der WZB (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) 2021 als „Schlusslichter in der Umsetzung der Inklusion“ bezeichnet wurden.

„Inklusion heißt“, so die Referentin, „dass alle Menschen mitmachen können, Menschen mit Lernschwierigkeiten, blinde Menschen oder gehörlose Menschen“. Menschen mit Behinderungen hätten ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben: „Inklusion ist ein Menschenrecht“. Es stehe in einem wichtigen Vertrag: In der UN-Behindertenrechtskonvention, seit 2009 in Deutschland ratifiziert. Mit der Umsetzung schulischer Inklusion nach der UN-Behindertenkonvention sieht es nach Prof. Scheunpflug nicht gut aus, z.B. in Bayern: ein zu hoher Förderschulanteil statt Inklusion. Nur ca. 8 Prozent der allgemeinbildenden Schulen ermöglichen in Bayern Inklusion. Es gebe eine restriktive Gesetzgebung im Bereich der Gymnasien und einen Rückgang der Förderschulquote in Deutschland sowie einen immer geringer werdenden Ressourceneinsatz für Förderung. Auf der anderen Seite gebe es einen hohen Anteil an Schulen in nicht-staatlicher Trägerschaft im Inklusionsbereich.

Prof. Dr. Annette Scheunpflug von der Universität Bamberg hielt den Impulsvortrag.

Wie kann die Entwicklung einer Inklusionsstrategie für das gesamte Bildungswesen aussehen? Nach Prof. Scheunpflug müsse

  1. unbedingt eine Ausbildung oder Schulung von pädagogischen Assistenzen gefördert werden.
  2. brauchen wir den Ausbau von Förderzentren zu inklusiven Beratungszentren.
  3. brauchen wir eine stärkere Beteiligung von Realschulen und Gymnasien als „lernförderliche Entwicklungsumgebung“.
  4. brauchen wir einen thematischen Schwerpunkt Inklusion in der schulischen Digitalarbeit
  5. brauchen wir eine Konzeptentwicklung digitales Lernen und Inklusion
  6. brauchen wir die Entwicklung einer Homepage zum Thema Inklusion für Lehrkräfte, Schulleitung und Eltern

Wünschenswert sei die Abordnung je einer Lehrkraft an jeden Lehrerbildungsstandort zur Stärkung inklusiver Themen. Ein Erweiterungsfach Inklusion sei dringend nötig.

Die Haltung müsse sich verändern, Inklusion sei ein Menschenrecht, sei eine große Herausforderung und damit die Bearbeitung eines Tabus. Die Inklusion im gegliederten Schulwesen benötige eine Menge von Detailentscheidungen.

Zentral sei auf jeden Fall die Haltungsänderung bei Verwaltungsbeamten in Bezug auf Inklusion. Hier sei eine systematische Kommunikation, Fortbildung und öffentliche Diskussion notwendig „Der Druck aus der Zivilgesellschaft ist bedeutsam“. Inklusionsüberlegungen brauche mehr Öffentlichkeit.

Das Fazit des Impulsvortrags

Wir brauchen eine intensivere Zusammenarbeit mit den im Ministerium zuständigen Beschäftigten.

Die Überforderung seitens der Lehrkräfte müsse ernst genommen werden.

Die Abwertungsbefürchtungen seitens der Philologen seien zu bekämpfen.

Begegnungen mit behinderten Menschen seien zu ermöglichen.

Erfahrungen seien zu öffnen für Entscheidungsträger.

Lehrerbildung und Universitäten seien konkret mit Inklusionsforderungen stärker in den Blick zu nehmen. Auch eine gemeinsame Homepage über Inklusion sei für die Öffentlichkeit hilfreich.

Interview mit den Vorsitzenden der Initiative „EINE Schule für ALLE“

Saskia Eckhardt (Foto links) ist als Förderschullehrerin in der Inklusion tätig. Im weiteren Bereich arbeitet sie als Beraterin für Inklusion und Pädagogischen Schulbau am Pädagogischen Landesinstitut in Speyer Kerstin Pensé (Foto rechts) war zunächst Lehrerin in Schleswig-Holstein in inklusiven Kontexten, danach in RLP Förderschullehrerin an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung, Lernen und Sprache, externe Expertin für an Eis Schoul in Luxemburg, bis heute tätig an Schwerpunktschulen (SPS) im Raum Trier, 10 Jahre tätig als Inklusionsbeauftragte, seit 2014 Beraterin für Inklusion am Pädagogischen Landesinstitut in Rheinland-Pfalz.

Wir brauchen inklusive Förderung. Warum?

Saskia Eckhardt: Jeder muss nach seinen Fähigkeiten lernen und sich entwickeln können. Inklusion ist ein Menschenrecht, ist UN-Recht, ist aber nicht nur eine juristische Rechtsnorm. Für uns ist wichtig, Eltern- und Kinderrechte in dieser Richtung zu stärken. Kinder mit Behinderungen müssen schon vor der Schule gefördert werden. Wir müssen von Anfang an inklusiv denken, auch in der Kita.

Spielt hierbei auch die soziale Herkunft eine Rolle?

Saskia Eckhardt: Ja, denn wir erleben eine immer größere Spaltung aufgrund der sozialen Herkunft. Wir brauchen Visionen für die Bildungsgerechtigkeit aller Schülerinnen und Schüler bei uns und endlich auch reale Strategien.

Kerstin Pense: Wir brauchen eine inklusive Haltung in unserer Gesellschaft, egal, ob beeinträchtigt oder nicht, ob arm oder reich und eine Kultur der Fremdwahrnehmung. Die Universität muss sich in dieser Hinsicht ebenfalls verändern, auch die 2. Phase muss in Sachen Inklusion neu überdacht werden.

Woher kommen die Widerstände gegen Inklusion?

Saskia Eckhardt: Das ist eigentlich überall auch in gut gemeinten Settings. Wir arbeiten im Bereich Schwerpunktschulen nicht inklusiv, sondern wir separieren überall – seien es Ämter, diagnostische Verfahren, seien es Bewertungssysteme und Übergänge, nichts ist inklusiv gedacht.

Gibt es Argumente, die gegen die Inklusion vorgetragen werden?

Kerstin Pense: Die Leute fühlen sich oft überfordert und suchen Schuldige, viele meinen, der Umgang mit Homogenität sei einfacher. Immer wenn ich das Gefühl habe, jemand benimmt sich nicht, wie es meinen Vorstellungen entspricht, wird es schwierig.

Was muss in einem inklusiven Bildungssystem in der Lehrerbildung verändert werden?

Saskia Eckhardt: Jeder Unterricht und jede Schule muss den Anspruch haben, inklusiv zu werden. Erste Schritte sind erkennbar, z.B. in den neuen Lehrplänen und den Curricula der Lehrkräfteausbildung. Nun muss deutlich spürbar umgesetzt werden. Das ist unser Anspruch. Und das gilt vor allem für die Universitäten, die Studienseminare und die Schulen. Solange die Kolleg:innen sagen, dafür bin ich nicht ausgebildet, wird deutlich, dass sich die Lehrkräfteausbildung ändern muss. Wir müssen dort mehr in die Kooperation gehen.

Wie muss sich die Inklusionsverordnung auswirken, welche Rolle muss das Gymnasium dabei spielen?

Wir brauchen eine pädagogische Koordination zwischen den Schularten. Die Haltung muss sich dahingehend ändern, dass alle Schulen sich veantworlich fühlen für die Umsetzung der UN-BRK. Wir brauchen kein gegliedertes Schulwesen. Auch im Gymnasium muss das Kollegium zur inklusiven Schule geführt werden. Hier kommt auch der Lehrkräfteausbildung eine wichtige Rolle zu, auch in der Frage, wie kriegen wir eine inklusive Schule in der Kommune hin? Die Förderschule darf nicht das Gegenmodell der inklusiven Schule sein.

Wo will sich der „Verein Schule für alle“ engagieren?

Saskia Eckhardt: Antworten erwarten wir von solchen Tagungen wie hier. Wo müssen wir Schwerpunkte setzen, Punkte vergeben, wofür der Verein intensiver arbeiten soll?

Welche konkreten Forderungen haben Sie an die Politik?

Kerstin Pense:  Wir müssen ein inklusives Schulsystem wirklich wollen. Solange wir an der Dreizügigkeit festhalten, an der Doppelstruktur Förderschule und dreigliedrigem Schulsystem, kommen wir nicht weiter.

Gemeinsame Arbeitsphase (Open Space)

In Gruppen lernten sich die mehr als 100 Tagungsteilnehmer:innen aus Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern kennen, konnten sich austauschen, konkret werden und planen. Hier einige der geforderten richtungsweisenden Bildungsveränderungen, um eine Schule für alle endlich auf den Weg zu bringen:

+ Schulbau zur Landesaufgabe machen, Verpflichtung zum Umbau hinkriegen

+ Liegenschaften ermöglichen, um inklusive Settings zu schaffen

+ eine verpflichtende Schulausstattung, die flexible Schularbeit in unterschiedlichen Settings ermöglicht

Detailveränderungen: Mehr Beratung und Studientage, multiprofessionelle Teams, konstruktive Arbeitsgruppen, Förderplanung, Haltungsveränderung im Kollegium, Unterrichtsformen verändern, vorhandene Ressourcen nutzen und außerschulische Ressourcen auch.

Die Tagung zeigte, wie groß der Bedarf an Austausch und Veränderung ist. Die leidenschaftlichen Diskussionen und die zahlreichen Anregungen lassen hoffen, endlich die Behindertenrechtskonvention der UN umzusetzen, denn Demokratie braucht Inklusion, sie ist ein Menschenrecht.

Text: Dr. Paul Schwarz.