Am 27.Februar 2018 referierte Prof. em. Dr. Georg Feuser, Zürich in der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz zum Thema „Menschenrecht Inklusion: Die aktuelle Umsetzung im Bildungssystem - ein Widerspruch in sich!“

Der Einladung von Bündnis PRO INKLUSION folgten rund 60 Studierende und Lehrkräfte und hatten Gelegenheit, den hoch engagierten Ausführungen des konsequenten Kämpfers für eine inklusive Schule auf hohem akademischen Niveau zu folgen. Der lebhafte Vortrag mit vereinzelten durchaus provokanten Zwischenbemerkungen und der klaren, wohltuend kompromisslosen Positionierung des sympathischen, von der Sonderpädagogik herkommenden „alten Herren“ zog sein Auditorium sehr schnell in seinen Bann.

Bezugnehmend auf den Schlusssatz unseres Bündnispapieres „Inklusion ist Auftrag aller Lehrkräfte.“ fügte Feuser hinzu „Inklusion ist der Kern einer humanen und demokratischen Pädagogik.“ Dies stehe im eindeutigen Widerspruch zu einer Art Pseudo-Inklusion („Inklusionismus“ oder der “Integration der Inklusion in die Segregation“) in der gegenwärtigen Praxis eines Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungssystems (EBU), das traditionsverhaftet eher dazu neigt, Selektions- und Ausgrenzungspraxen zu perfektionieren (einige Stichworte hierzu sind das Benotungsverfahren zur Legitimation für Selektionsentscheidungen, die Bildung von separierten Fördergruppen bis hin zu Maßnahmen der inneren Differenzierung ebenso wie die Aufteilung in verschiedene Schularten etwa in ein Regel-  oder Förderschulsystem).

Um Inklusion umzusetzen bedarf es einer pädagogischen Emanzipation von diesen Maßnahmen, die „im wahrsten Sinne des Wortes Lernen und Entwicklung ,behindern‘ “.

Feuser lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass wir es sind, die den von der UN -BRK  entfachten Wind nutzen müssen, indem wir die Segel setzen müssen und die Boote richtig steuern müssen, wenn wir den Hafen der Inklusion erreichen wollen. Das erfordert, „selbst den bescheidensten Ansatz in Richtung Inklusion in diesem System extensiv zu nutzen, aber dessen Widersprüche aufzuzeigen und diese transparent zumachen, anstelle sie unter den Teppich zu kehren und einer Zwangsintegration der Inklusion in die Segregation Vorschub zu leisten.“ Bedingung für das Erreichen eines EBU, in dem alle Kinder in das Regelsystem aufgenommen werden, ist „ein entschiedenes Nein zur Selektion, Ausgrenzung und Zwangsinklusion in Sonderräume“ oder anders ausgedrückt eine „revolutionäre Transformation“ der Praxis.

Unbestritten bleibt, dass entsprechende Ressourcen vorhanden sein müssen, dass das bildungspolitisch vielfach vorgeschobene Elternrecht gegenüber den Forderungen der UN-BRK als Menschenrecht  aus Sicht des Referenten nachrangig zu bewerten ist und das Inklusion „eine Frage der Bildung und der Bildungsgerechtigkeit“ ist.

In der abschließenden angeregten Diskussionsrunde stand der Referent ohne Umschweife Rede und Antwort zu seinen Ausführungen und viele der Teilnehmenden bekundeten ihr Interesse an der Zusendung seines Vortragsskriptes und ähnlichen Veranstaltungen.

Meisenheim im März 2018, Arno Rädler.